#Jugend (er)forscht!


Die Theatergruppe des Melanchthon-Gymnasiums Bretten unter der Leitung von Sven Reinwald setzte sich in ihrem selbst erarbeiteten Stück mit Vorurteilen und Klischees über Jugendliche auseinander. Das Stück #Jugend (er)forscht!, das am vergangenen Donnerstag seine Premiere feierte, ist eine Collage von Szenen über Themen, die die Jugendlichen beschäftigen und bewegen. Es fügt sich zum Großteil aus ihren eigens geschriebenen Texten zusammen, was der Aufführung eine private und persönliche Atmosphäre verlieh.

Die Szenen umfassten eine Spannbreite von witzig bis berührend: Mal sah man innere Monologe über den Druck und die Orientierungslosigkeit, die man in der Phase der Jugend fühlt und erfährt, mal eine „Like und Follow“-Schlange, die sich über die Bühne wand. Der Stückverlauf war immer wieder durchsetzt von Zitaten aus diversen Regelwerken, verfremdeten Szenen aus klassischen Stücken und  Interviewsegmenten, die über eine große Videoleinwand eingespielt wurden.

Diese Interviews wurden mit Schüler_innen und Lehrer_innen des MGB geführt und stellten Fragen, die auch das Publikum aktiv zum Nachdenken anregten. Wo siehst du dich in zehn Jahren? Fühlst du dich jugendlich oder erwachsen – oder vielleicht beides? Doch nicht nur die filmischen Elemente setzten Akzente, sondern auch das kunstvolle, von Fleur McKeverne gestaltete Bühnenbild.

Es bestand aus übergroßen Scherenschnitten der Mitspieler_innen, die starr und schemenhaft den hinteren Bühnenrand schmückten. Sie standen ganz klar im Kontrast zu den sehr körperlich spielenden Akteuren und verdeutlichten das große Thema des Abends: Wir, die Jugendlichen, lassen uns nicht in Schablonen und Rollen hineinzwängen!

Die Bühne war für die Spieler_innen ein Ort des Austausches, des Ausprobierens. Das geschah unter anderem im bewusst ironischen Spiel mit den Anweisungskarten der Theaterpädagogin Maike Plath, mit deren Theateransatz während der Probenzeit gearbeitet wurde. So wurde eine offene Bühnensituation entworfen, mit sarkastischen Fragen und Einwürfen das Publikum eingebunden und  immer wieder mit gewohnten Erzählstilen und Konventionen gebrochen.

Das Ziel von Sven Reinwald, mit seinen Schüler_innen ein partizipatives Stück auf die Bühne zu bringen, sie also an der Entwicklung und am Arbeitsprozess aktiv teilhaben zu lassen, wurde sichtlich erreicht. Die autobiografischen Texte gaben intime Einblicke in die turbulente Phase der Teenagerzeit, wo die Kindheit endet und die Welt der Erwachsenen doch noch nicht betreten wird.

Am Ende stellten die Spieler_innen sich und dem Publikum die Frage: Wenn wir nicht Klischees entsprechen, wenn wir uns nicht in Rollen zwängen lassen wollen – Wer sind wir dann? Sie hallt noch lange nach, beim Publikum und den Jugendlichen selbst.
Jule Waizenegger